In-Between States
Und da ist es: Das Weisse Haus.
Was fuer eine wunderschoene Stadt!! Wer New Orleans mag, muss sich auch Savannah angucken. In Georgia, wo ich unlaengst lernte der KKK immer noch unterwegs ist, weil das hier ja ein freies Land ist. Wobei der wohl nichts mehr macht - zu gut bewacht.
Savannah jedenfalls - schoenschoenschoen, alt, wunderbare Haeuser und auch recht preiswert. Southern Accent (den gibts in Florida nicht, interessanterweise). Kopfsteinpflaster. Fussgaenger und reichlich Spanish Moss von den alten Baeumen haengend - in diesem Bild eine sehr alte Eiche; Spanish Moss ist eine Air Plant, das heisst, sie zieht alle ihre Naehrstoffe aus Luft und Wasser, und kann daher praktisch ueberall wachsen. Wir haben neuerdings eine auf unserm Balkongelaender froehlich vor sich hin wuchern.
Man sollte zudem keine Kissen aus Spanish Moss basteln. Das ist voller Kleinviech mit Krankheitserregern. Die ersten Siedler Savannahs machten diesen Fehler, als sie hier ankamen, wurden anschliessend alle vom selben Fieber befallen, und folgerichtig dahingerafft. Daraufhin war Savannah erstmal wieder leer. Bis halt die naechsten Siedler kamen, und das Moss in Ruhe liessen. Der Gang der Geschichte.
Liebe Leute,
die Zeit vergeht, Leute ziehen aus, um, ein, konfrontieren sich mit dem amerikanischen Gesundheitssystem und den Fallstricken der deutschen Arbeiterkinderstudienfoerderungsbehoerde, gehen Beziehungen aus und ein, verlieren Kontakte und ein Auge auf die zu erreichenden Credits, und gehen nebenher wieder auf Reisen.
Inzwischen trudeln bei mir schon Fragen in den Briefkasten, wo ich denn sei, und warum seit Wochen nichts Neues mehr auf dem Amerikanischen Hazard berichtet wird. Vielen Dank fuer die Nachfragen. Ich bin ein bisschen geruehrt.
Derzeit sitze ich in einem Adobe-Haus in Tucson, Arizona. In wenigen Stunden brechen wir nach Norden auf, nach Flagstaff, und erreichen morgen den Grand Canyon an der Grenze zu Utah. Dort werde ich mit zwei Freunden das Zelt auf rotem Wuestensand aufschlagen und wuenschen, dass uns keine Tarantel frisst.
Wo ich in der Zwischenzeit war, werde ich hoffentlich ein anderes Mal berichten koennen. Soviel sei schon gesagt, es gibt viele Fotos aus vielen neuen Staaten. Passt auf euch auf und bis bald!
vel
Diejenigen welche die Flugzeuge mit Lichtern winken auf dem Flugplatz, grosse Maschine erfordert Schraenke von Arbeitern,, angewinkelte Arme, tragen T-Shirts. Hinter mir jubeln die Undergrad-Springbreakler, dass sie jetzt gleich vor lauter mexikanischer Hitze ihre Pants offtaken koennen. Vielleicht kommen sie ja aus Alaska. Ich schleppe meine Muedigkeit.
Ob es Wueste ist, kann ich in der Dunkelheit nicht schaetzen. Aber die Staedte sind Lichtfelder. War das in Europa auch so outstretched, oder macht das das Jefferson Grid System? Timezonen verlagern sich minder und mormonische Kleidung gegenueber von mir, ebenfalls wartend, wirkt inspiring, mit ueberschlagenem Knie in einem Grisham-Schinken schmoekernd. Phoenix Arizona, einziger Flughafen so far, an dem das freie W-Lan tatsaechlich access permitted. Rilke spukt durch die Windungen. Home is overrated.
Und dann, zwei verpasste Fluege spaeter und nichts davon war meine Schuld, sitze ich im Mittagsflugzeug nach Jackson, smallest plane I've ever sat in, und das Wetter ist sonnig und in den Bergen ist Schnee. Wir werden versuchen, nach Jackson zu fliegen. Falls die Sicht waehrend des Flugs nicht besser wird, muessen wir umkehren und wieder nach Salt Lake zurueckfliegen. Those were the pilot's words und damit ging es in einem Rumpeln und Schottern nach einer halben Ewigkeit Ausharrens auf die Starterlaubnis endlich in die Luft, dies aber dafuer im Steil- und Schiefflug.
Passiert das oefter, frage ich das commutende Ehepaar hinter mir. Oh, ja, all the time, antwortet dies. Und die Leute beginnen, meinen Akzent zu kommentieren und ich frage, ob der stark ist und sie sagen Oh , nein; gar nicht Sie sprechen exzellentes Englisch! und mir faellt bloss auf, dass mich in New York niemand fragt und New York bekommt von hier aus eine neue Tragweite und ich habe im Hotelzimmer gestern Abend schon Heimweh gehabt und ach, New York.
Ja also nach einer Weile Umkreisen des Flughafens konnten wir dann, unter leichten Turbulenzen (holplahorp), in Jackson Hole landen.
Das war also meine Fluggeschichte - definitiv der schlimmste Flug, den ich jemals hatte (ich meine jetzt den ganzen Flug NY-MN-UT-WY. Gestern Abend hatte es einen Hauch von Abenteuer ploetzlich, ganz alleine in der Drive-In-Wueste der Tempelstadt. Aber ich glaube, ich werde mir Businesskleidung zulegen, allein zu Zwecken des Fliegens. Und den Beschwerdebrief, den werde ich schreiben.
Am naechsten Morgen - in fact HEUTE morgen - ging es frueh wieder los und weiter, zurueck zum Airport. Hatte leider keine Zeit, mir das Mormon Tabernacle anzusehen, was ich gern getan haette. Ich fliege aber ja wieder ueber Salt Lake zurueck, sprich, vllt ist da dann Zeit dafuer. Mal sehen dann.
Aufgrund von verschobener Flight Connection gestern ist mein Flug Salt Lake City - Jackson Hole auf heute morgen rescheduled worden. Das ganze Check-In-Brimborium noch einmal. Und dann - just before boarding - stellen die fest, zehn Minuten vor Abflug, dass die Leute vom Security Screening vergessen haben, meinen Boarding Pass zu lochen (als Bestaetigung). Sogleich wurde dorthin telefoniert. Leider fand keiner die Zeit, mal vorbeizukommen, weshalb ich nochmal zurueckgeschickt wurde, all the way back, just before boarding, zehn Minuten vor Abflug, mit dem Versprechen, dass sie das Flugzeug solange dabehalten wie moeglich.
Natuerlich, waere ich ein stattlich gekleideter Mann mittleren Alters gewesen, haetten die mich nie im Leben zurueckgeschickt. Business ist die Camouflage der Zivilisation.
Security Screening zum Zweiten, ach bestimmt schaffst du deinen Flug blabla, und als ich schliesslich voellig abgehetzt eine Minute nach Departure wieder am Gate ankomme, ist die Maschine seit 4 Minuten weg. Die Frau am Schalter interessiert meine Litanei nicht, die ich schliesslich und auch noch sehr uebermuedet vom Zaun breche. This is ridiculous sagt sie zu ihrem Kollegen, ich schnappe meinen Boarding Pass und mache mich auf zum naechsten Gate fuer den naechsten Flug nach Jackson. Die naechste Frau begruesst mich im ueblichen Entertainerton und ich frage, wo man sich beschweren kann und sie nur so Oh, das machen Sie online. Und ich Ah und das wird also gelesen? Und sie wieder Oh yes sure! They read every single letter that they're getting. Und ich dann Sure. und wende mich ab und will keinen Kaffee mehr trinken und komme nicht ins Wireless und starre stattdessen auf die nebelumrankten Berge hinterm Flughafen.
UTAH, A.K.A. Amerikanisch-Bavarien; here I am. Wir sind teilweise ueber die Great Plains geflogen, South Dakota und dann suedlich ueber Central Wyoming, Casper, und dann wurde es langsam bergig. Ueber die Rocky Mountains, ich im Gespraech mit dem Electrical Engineer neben mir, aus Milwaukee, WI, auf seinem Weg zu einer mehrtaegigen Konferenz fuer das Design dreier neuer Militaerfighter. Ja things to be considered ey.
In Salt Lake City sind wir zeitgleich zum Sundown angekommen. Herrliche Farben!! Ein Salzvalley, umkranzt von Bergketten. Ein Salt Lake wie ein Salt Sea. Von dort aus verstreute Salzlaken in Pfuetzen wie Milchseen. Allerley Gestruepp und Gebuesch in Salzfarben. Schneekuppen der Berge und die Erde in verschiedenen Farben geschichtet, rot-braun-ocker-anthrazit. Damit, und mit dem Kontrast von Gebirge und baumarmem Flachland ansonsten, Erinnerung an islaendische Landschaft stellenweise.
Leider war es recht chaotisch hier. Zuerst ist mein Rucksack nicht richtig angekommen. Dann ist er doch angekommen, aber mittlerweile waren die Hotelinformationen closed. Da ich meinen Connecting Flight nicht bekommen habe (man erinnert sich: Schnee ueber Minneapolis), musste ich mir was zur Unterkunft suchen fuer die Nacht. Inkompetente Nichtzustaendige verwiesen mich desinteressiert an die hiesigen Hotelwerbeplakate, ohne dass ich auch nur blassen Schimmer haette von ob jetzt Downtown naeher ist am Flughafen oder doch eher West Temple. Aber schliesslich, nach einer Weile Herumtelefoniererei, fand ich eine billige Absteige und wartete draussen auf den Shuttle.
Dort kam ich ins Gespraech mit anderen Leuten, denen Aehnliches passiert ist. Im Unterschied zu mir bekamen die die Hotelnacht bezahlt und dazu auch noch Food Vouchers. Und beschwerten sich aber am Lautesten, in was fuer einem Crappy Hotel sie unterkommen. Wobei deren Hotels um Weiten (man koennte es auch Sterne nennen) besser war als meins, was eher einem Motel aehnelte, was aber ganz wunderbar war, sauber beheizt und beleuchtet mit frischen Handtuechern und geschmackvoller Einrichtung.
Ich kann - und das ist jetzt ein nicht reise-relatetes, sondern ganz persoenliches Statement - die Jammerei von Wohlhabenden nicht mehr hoeren. Jemand sollte mit einer Bratpfanne auf deren Horizont zielen, jenen, denen nie etwas gefehlt hat, noch dass ihnen etwas abhanden gekommen ist. Ich hatte mein Gepaeck und war froh und um die Ecke war ein gesunder Grocery Store und ueber dem Motelding prangte weit oben in der Luft ein Plakat, neonbeleuchtet, asking: Where is your family?