Deutsche Balladen
Meine Wohnung ist geräumt und übergeben an den jungen Franzosen mit Deutschkurs. Ich besitze Dinge in Kisten, Dinge in Tüten und ehemalige Dinge, die sich jetzt in den Altkleidercontainern des Französischen Viertels befinden. Ich besetze das leere Zimmer in einer WG in Hirschau; ich habe keine Homezone mehr; Freunde kommen auf die Idee, mit mir zu telefonieren.
Ich habe ein Zimmer in Port Jefferson Station und eine interessante Weihnachtsplanung. Ich habe einen neuen Schlafsack mit 0°C-Komfortbereich. In Cancún ist es jeden Tag im Jahr um die 30°C warm. Ich habe trotz mehrtägigen Unterschlafs überhaupt keine Ermüdungserscheinungen. Ich gehe jetzt aber trotzdem ins Bett.
Man kann auch sehr viel schaffen, wenn man nur drei Stunden geschlafen hat, weil man gestern bis 3h noch im Rechenzentrum gewesen ist, sofern man Gutes geträumt hat von einer Insel und blauen Delfinen und türkisem Lichtwasser und Schnorcheln als neuem Hobbi, wenn man das dann im Wachzustand mit gemeinschaftlichem Kaffee verbinden tut und eigentlich alles ganz normal ruhig macht, als würde gar nicht viel daran hängen. Weniger schwimmen. Und ich habe schon ein paar nette Mailkontakte nach drüben. Ein sehr netter Mensch mit einem wundervollen Namen vermittelt mir vielleicht gerade einfach aus lauter Nettigkeit (wo gibtsn sowas?) ein Zimmer in Port Jefferson. Ich habe mich dort gerade als interessiert gemeldet. Vielleicht kommt ja auch heute schon ne Antwort, die sind ja da immer schnell mit.
Meine Wohnung ist vermietet, am Montag werden die Zähler abgelesen, am Mittwoch bin ich raus.
Dieses Wochenende Kartons zusammenpacken und Dinge aussortieren, die schon wieder zu lange bei mir gelebt haben, vorsichhinstaubend.
Mich auf Brooklyn nicht ausruhen können, weiterhin fleißige Zimmersuche im andern Land. Gerade auf ein Gesuch in Queens geantwortet.
Ich habe jetzt meine Strategie geändert. Man ist ja geneigt zu meinen (zumindest ich bin dies), dass im Land der Pragmatik alles so kurz wie möglich gesagt werden muss. Hallo - habe Interesse am Zimmer - bitte melden. (with only a few additional details)
Au contraire! Die Gesuche, die ich bisher von anderen mitgekriegt habe, sind absolutest ausgeschmückt. Man ist nicht w 25 NR - man ist 25-year old female non-smoker (but I absolutely accept it if you're a smoker). Man ist nicht mit WG-Erfahrung - man ist very laid back, looking for cool roommates to have some lite cooking in the evening by times.
Okay, I absolutely accept that. Get me the room in Queens!
Bitte beantworten Sie für den Online-Abschluss Ihrer Auslandsreise-Krankenversicherung folgende Frage:
Wie lange werden Sie sich im Ausland aufhalten?
(a) weniger als 6 Wochen
(b) länger als 6 Wochen
(c) länger als 1 Jahr
Preisfrage:
Was kreuzt eine an, die sich etwa 6 Monate im Ausland aufhalten wird?
Tipp:
(b) ist falsch.
Ich habe gerade meinen Housing Coordinator online getroffen und ihn nochmal nach Youth Hostels in der Gegend ausgefragt. Offensichtlich gibt es sowas auf der Insel tatsächlich nicht.
However, ich werde nun die erste Nacht in seiner WG in Brooklyn auf einer Luftmatratze verbringen können. Das erleichtert für den Moment sehr, diese viktorianische Geschichte hatte jetzt doch keinen Platz mehr frei, und von da aus kann ich dann bestimmt ruhiger am nächsten Tag erst die 2 1/2-stündige Zugreise zur Uni antreten, um dann vor Ort suchen zu können.
Heute für meine Wohnung noch drei Besichtigungstermine. Vielleicht geht es ja jetzt doch leichter.
Gestern war ich in Frankfurt, mit einem Freund; aus der Stressfahrt für 1 wurde ein Ausflug für 2 Personen. Bis aufs Wetter ist alles gut gegangen, zum überhaupt ersten Mal in der Geschichte meiner Auslandssemesterplanung. 2x Warteschlange à 1/2 Std warten, ein Mann mit Flüstertüte, ein riesengroßes Areal, ein verregneter Freund, eine perfektest ausgerüstete Dokumentenschlepperin, ein schusssicheres Fenster mit Rüberwinker. Holzkisten für Waffen und Strickjacken, ein paar übliche Sicherheitsvorkehrungen, interessante fremde Farben der amerikanischen Offiziellen, nette Menschen.
Im strömenden Regen das Gebäude wechseln, in eine Wartehalle eintreten, es eigentlich ganz ok finden, 23 Schaltern ausgesetzt sein, über unseren Köpfen die Flaggen der Staaten, über velurens Kopf die Flagge von funny Idaho. Einmal aufgerufen werden, alles abliefern in absolut genau dieser einen gewünschten Reihenfolge, freundliche Frau, mich wieder setzen, Touristenmaterial über die United States einsammeln, Canyons angucken und Brücken, dann ein weiteres Mal aufgerufen werden.
Trotz aller mittlerweile abgegebenen Dokumente hatte ich noch einen ganzen Stapel Material dabei, der dem Konsulat versichern sollte, dass ich in Deutschland gebunden bin und also auf jeden Fall wieder zurückkommen werde. Ich war gewappnet mit Mietvertrag, Auslandskrankenversicherungsnachweis und Flugbestätigung für den Rückflug. Ich hatte sogar den Impfpass von meiner Geburt dabei, damit denen klar ist, dass ich keine Tuberkulose und keine Windpocken in ihr Land schleppen werde.
Das Gespräch schließlich mit der Visabeamtin, das die Reinheit meiner Intentionen und meine Nichtterroristenidentität bestätigen sollte, bestand aus drei Fragen:
Frage 1: Was für eine Haarfarbe haben Sie?
Frage 2: Was werden Sie in den Vereinigten Staaten studieren?
Frage 3 habe ich leider gleich wieder vergessen. Das Visum ist erteilt, die Frau lächelt, jetzt lächle ich auch wieder, draußen regnet es immer noch, aber ich bin keine Terroristin und das Land freut sich, mir meinen Reisepass mit Visum darinne innerhalb der nächsten Woche per Post zuschicken zu können. Herzlichen Glückwunsch und ab durch den Regen und den freundlichen Hemdträgern den ganzen Weg durchs Gebäude zurück und zum verregneten Freund und einem verregneten Frankfurter Nachmittag entlang der Gießener Straße.
Den Abend verbringen im Internetcafé, weil inzwischen sogar das Rechenzentrum geschlossen hat, und blind an Zimmerangebote schreiben. Zur Not hätte ich nun schon was in einem Viktorianischen Haus auf der Höh, B&B, für $150 pro Nacht. Zumindest für die ersten zwei Nächte könnte man das machen, zumal es dort kein Hostel zu geben scheint. Aber ich bin jetzt guter Dinge. Und sollte schon längst müde sein. Um 7h geht es morgen nach Frankfurt, bitte Daumen drücken, dass ab jetzt alles klappt.
SO!
Nach dem Tiefpunkt des Nichtklappens am Donnerstag und einem beschwerlichen da von diversen Krankheiten gebeutelten Wochenende kam nun! heute! ........ endlich!!!! die Admission von meiner US-Uni, auf die ich geschlagene Monate gewartet habe. Und das bedeutet, endlich kann es weitergehn!!
Nun habe ich endlich, wies aussieht (obwohl, so ganz traue ich dem noch nicht), ALLE Dokumente. Ich hab schon nicht mehr damit gerechnet, dass es noch klappt; naja. Habe nun mit dem DS 2019-Formular, das heute mitgesendet wurde, die SEVIS fee überwiesen und Expressversand geordert. Das kommt ja sonst nicht vor. Aber am Mittwoch - also DIESEN Mittwoch, um 11h - habe ich meinen inzwischen schon dritten Visumstermin, in Frankfurt. Und bis dahin muss das da sein. Der Visumsmensch am anderen Ende der Hotline meinte, das würde noch gehen. Man darf gespannt sein.
So! Das an Neuigkeiten. Die Wohnung ist immer noch zu vermieten. Ich werde sie an dieser Stelle nicht annoncieren. Aber Interessenten sollen sich ggf melden.
einige Besichtigungstermine für meine Wohnung,
einige Mails geschrieben auf Zimmerangebote dort.
Nicht viel Neues im Land bis auf: Nun ist es offiziell: Ich bin absolut tuberkulosefrei.
Mit Stempel.
Diese Woche wird, so wie ich es grad sehe, ganz im Zeichen des Housings stehen. Heute kommt n0ch eine Bekannte zur Wohnungsbesichtigung vorbei. Wenn ich das heute abhaken könnte, und auch noch an diese Bekannte, wäre das außerordentlich fabelhaft. Dann könnte ich mich auf Emailkonversation für meine eigene Unterkunft konzentrieren.
Die Uni dort hat bis Mittwoch Zeit, um mir die admission zu schicken. Wenn die bis dahin nicht bei mir angekommen ist, habe ich wieder keine Visa-Papiere, und muss den Termin nochmal verschieben. Im Moment isses mir egal. Vielleicht bin ich auch einfach guter Dinge.