Sunday, 2. March 2008

Homeland Security

U.S. Department of Homeland Security, NY

U.S. Department of Homeland Security,
neben der Staten Island Ferry Station,
Manhattan Südzipfel, direkt am Wasser.


Das amerikanische Heimatschutzministerium wurde 2002 als Folge von 9/11 geschaffen.
Seine Hauptaufgabe besteht in der Abwehr terroristischer und vergleichbarer Bedrohungen
nach der Methode "voraussehen, zuvorkommen und abwenden".

Tipp für Touris:

Auf dem Union Square verkaufen findige Studenten T-Shirts
mit dem Schriftzug dieser Institution,
über alten Fotografien
der Einwanderer mit den Native Americans.

Preis: liegt etwa so bei $20-25 wenn ich mich recht entsinne.

Wednesday, 27. February 2008

Brooklyn Kitchen Psycho Talk

Normalerweise blogge ich aus Prinzip nicht vor 7h morgens, aber heute mache ich mal eine Ausnahme und das übrigens völlig ohne Grund. Vor etwa zwei Wochen hatte ich noch eine Story angefangen, wie ich an Valentinstag doch tatsächlich Jon Bon Jovi getroffen und mit ihm Kaffee getrunken habe. Aber die Zeit verfliegt und jetzt fühle ich mich nicht mehr danach, zu erzählen, wie alles war usw. sorry about that.

Eine meiner neuen Mitbewohner(innen) leitet eine psychiatrische Klinik hier in BK. Gestern Abend haben wir uns über ihre Arbeit unterhalten, da sie auch noch Klienten empfängt. Es war ein bisschen kompliziert, stellten wir auf dem Weg fest, da wir offensichtlich von völlig unterschiedlichen Grundannahmen ausgingen. In Deutschland, sagte ich, wird ganz klar zwischen Neurosen und Psychosen unterschieden (feel free to correct me). Es gibt diesen Grundsatz, dass wenn einer eine Neurose hat, es sehr unwahrscheinlich ist, dass er eine Psychose entwickelt, & vice versa.

In den USA dagegen macht man dazwischen überhaupt nicht diesen Unterschied. Das macht keinen Sinn, sagte meine Mitbewohnerin; wo zB tust du jemanden hin, der Verfolgungswahn hat UND depressiv ist. Na in die Psychosenschublade, sagte ich, denn eine Depression kann sich sowohl bei Neuros als auch bei Psychos ereignen. Oh Ok sagte sie. Aber ist diese ganze Unterscheidung nicht total freudianisch? Well, it actually is, kind of. Und ist es nicht gleichzeitig auch der Fall, so Mitbewohnerin weiter, dass ihr in Deutschland so gut wie keine Psychoanalyse betreibt, weil ihr das für ein veraltetes Konzept haltet? (which is true, kind of.)

Unsere conclusion war dann sowas in der Art von dass WENN man diese Unterscheidung mal so annimmt, in den USA eigentlich nur Psychotiker Psychotherapie machen. Neurosen passieren so auf dem Weg und werden gar nicht weiter behandelt, die haben wir ja alle, und wir leben halt alle irgendwie damit, oder? Uiuiui, dachte ich, aber irgendwie - stimmt es ja auch. Mehr oder weniger, jeweils.

Lektion für heute (bzw für gestern Abend) ist jedenfalls, dass ich jetzt eine neue Form von Skepsis hinsichtlich apriorischer Konzepte für irgendeinen Teil der Wirklichkeit dazugewinne. Wenn du eine bestimmte Schule in einem Land einfach nicht so sehr vertreten hast, ist es nicht besonders wahrscheinlich, dass du ihre Ideen als so selbstverständlich annimmst, wie - ich es in diesem Falle zB tatsächlich die meiste Zeit meines Lebens getan habe.

Merke fürs nächste Mal: Grundlegende Konzepte, die aus Deutschland oder Umgebung kommen (zB die Hegelsche Dialektik oder die Kantsche Vernunft! - für die Philosophen unter euch), sind außerhalb der Landes- oder Europagrenzen möglicherweise völlig obsolet. So, und mit diesen Worten verabschiede ich mich auf die Insel again, wünsche euch einen ideologiearmen Tag und winke über den Teich! Nein, letzteres natürlich nicht.

Tuesday, 26. February 2008

Gunman on Campus (7)

So, und bevor sich hier jetzt irgendwer Sorgen macht: Die ganze Geschichte ist runterzubrechen auf ein ziemliches Drama welches veranstaltet wurde, und Drama resultiert häufig aus einem Mangel an Information. Auf Long Island ist man ja als TV-Korrespondent auch mal froh, wenn es was zu berichten gibt. Mangel an Information löst bei deutschen Austauschstudenten mit eigenem Blog unmittelbar vage Erinnerungen an "Bowling for Columbine" aus. Eingeschlossen und draußen den Hubschrauber kreisen hörend, wartet man eigentlich nur auf die Schüsse.

Aber wie so oft ging es auch hier nur um ein Stück Pizza. Der Typ hat offenbar kein Geld dafür gehabt, hat sich das Futter geschnappt und ist rausgerannt, und dazwischen muss der Blick der Kassiererin wohl eine Schusswaffe gesichtet haben, die selbiger anscheinend gezogen hat.
Der Preis für ein Stück Pizza beträgt $1.75, was nach derzeitigem Umrechnungskurs €1,18 ergibt. Wäre dafür jemand erschossen worden, hätts mich nicht gewundert übrigens. ps.: Ich wette, die nächsten Wochen werden Gewaltpräventionswochen gefeiert in der Cafeteria mit Luftballons, Kulis und dunkelroten Aktions-Tshirts.

Gunman on Campus (6)

Abends im Fernsehen & auf der Website des Senders:

"'All-clear' after gunman scare at Stony Brook

SUNY Stony Brook

-->CLICK HERE TO PLAY THE VIDEO<--

(02/25/08) STONY BROOK - After conducting a search for a possible gunman on the campus of Stony Brook University, police have determined there is no immediate threat.

Campus police say at around 1:30 p.m., a man attempted to steal food from a cafeteria at the school. When he was confronted by an employee, investigators say the man showed a gun and fled on foot. He has not been captured.

One student told News 12 Long Island that she saw the cafeteria incident, but didn't see a gun. According to the student, the man didn't have enough money to pay for some of his food, so he took the unpaid items and fled.

The suspect was described as a black man, about 25 years old and wearing a black coat and black wool hat.

Text and voice messages sent to students warned of the situation and instructed them to check the school's Web site for more information, but several students who contacted News 12 Long Island said an alert was not posted until about an hour after the incident began.

Chopper 12 showed students walking freely on campus, and several students said nothing seemed out of the ordinary during the alert. One school official said it is impossible to lock down a campus of 40,000 students.

The school told students to "remain alert, proceed with caution and notify university police if you see anyone fitting the description of the individual or anything unusual."

At around 3:50 p.m., the university posted an update to its Web site stating: "Police have issued an all-clear to continue normal classes and activities."

University and Suffolk County police are continuing increased campus patrols. Police are also examining surveillance video from the cafeteria in the hopes of identifying the suspect."

Gunman on Campus (5)

Uni-Website am Abend:

"Update:
The investigation of today's incident is ongoing. We want to thank all those involved in our security effort this afternoon. We will use the web and, whenever necessary, the SB Alert system, to continue to keep the Stony Brook Community informed in as quick and responsible a fashion as possible.

Feb. 25, 2008, 6:35 pm"

Gunman on Campus (4)

Rundmail im Department:

"University safety officials have issued an "All Clear" at approximately 3:40 PM to the University Alert that was raised this afternoon. Classes should proceed as scheduled. Any student absences resulting from the alert or its aftermath should be excused and appropriate provisions granted."

Gunman on Campus (3)

ca. 1h später:

"Update:
University and Suffolk County Police have conducted an extensive search of the Stony Brook University Main Campus and have determined that there is no longer an immediate threat to the Campus Community. Police have issued an all-clear to continue normal classes and activities. University and Suffolk County Police are continuing with increased patrols throughout campus.

As always, remain alert and report any suspicious activity to University Police by dialing 911 from any campus phone or 632-3333. Go to Stony Brook website for updates http://www.stonybrook.edu/sb/emergency/alerts.shtml.

Feb. 25, 2008, 3:55 pm"

Gunman on Campus (2)

Nach einer Weile funktioniert die Uni-Website wieder:

"Report of a possible gun on campus
University Police received a report that a young male fled the Student Activity Center Cafeteria and later displayed what was reported as a handgun. The individual was reported to be an African American male, approximately 25 years of age, wearing a black coat and black wool hat. He fled in the direction of Harriman Hall*. University Police are searching the area and investigating the report. Remain alert, proceed with caution and notify University Police if you see anyone fitting the description of the individual or anything unusual. You can reach University Police by calling 911 from any campus phone or 632-3333.

Return to this website for updates.

Feb. 25, 2008 2:51 pm


(During a disaster or major emergency, all students, faculty and staff are encouraged to monitor this website and other communications outlets for additional information that may become available (WUSB 90.1 FM, Campus Cable Channel 8, and local media stations.)"


* Harriman Hall = Das Philosophy Department.

Gunman on Campus (1)

Heute gegen 14h, mitten im Seminar, plötzlich die Meldung:

Mann mit Schusswaffe auf dem Campus unterwegs

Seminarteilnehmer empfangen Cell-Phone-Alerts, nicht die Räume zu verlassen
Seminar unterbrochen
Hinweise, die Uni-Website für News-Updates zu checken
Uni-Website ist down

Der Grad Coordinator kommt herein: POLICE NOT ANSWERING THE PHONE
Studenten incl. Professoren zur eigenen Sicherheit im Seminarraum eingeschlossen

Draußen nach einer Weile den Hubschrauber kreisen hören

Thursday, 14. February 2008

Valentino & The City (1)

Nein, heute ist nicht der Dreizehnte, obwohl alles zunächst danach aussieht. Der Himmel irgendwas zwischen weiß und grau. Meine Mitbewohnerin grün-frottiert und verschlafen. Ich zu müde zum Soduko-Rätseln. Mitbewohnerin wünscht mir heute statt eines guten Morgens einen frohen Valentinstag. Das hat mir außerhalb von Beziehungen noch keiner gewünscht.
- "Ach, das wünschen die im Radio schon seit gestern Abend."
Ich hatte gerade zum ersten Mal erfolgreich mit der neuen Kaffeemaschine experimentiert.

In Kingston-Throop steigen Schulmädchen mit Heliumballons in die Subway. Die Mädchen wissen schon ganz genau, was Sache ist. Die Jungs, die schon in der Subway sitzen, kichern aber noch.
Im Seminarraum an der Columbia, eine einstündige Subwayfahrt später, schiebt eine Kommilitonin selbst gebackene Herzchenkekse mit rosa Zuckerguss für alle auf den knarrenden Historientisch.
Der Dozent, ein Philosoph dem sein Name vorauseilt der aber hier unerwähnt bleibt, entert den Raum und wünscht zur Begrüßung erstmal Happy Valentine. Sodann geht es wieder um die Dynamiken in Überzeugungssystemen, unterbrochen von Kekskrümeln.

Zwei Stunden später verlasse ich das imposante Gemäuer; vorbei an Rodins Höllentorknienden husche ich und quer über den grecoromanischen Campus, der mit Ballons, Schleifen und Glückwünschen kopfüber dekoriert ist.
Scharen gutgekleideter Graduates kommen mir entgegen mit Blumen in ihren Handschuhen, Schnitt oder Topf.
An den Türen der Verbindungshäuser wartet der amerikanische Fleuropdienst mit Rosensträußen, dass ihm aufgemacht wird.
Sonnenbebrillte Schränke von Gangstas in Kapuzenpulli und Lederbomberjacke laufen mit jeweils ca. drei herzförmigen rosa Luftballons die West 103rd Street entlang.

Was feiert ein Land, in dem es vor Singles und Frischgeschiedenen nur so wimmelt?

- "No matter if you're in a relationship, or if you're just dating.
And even if you're a single: On Valentine's Day,
we celebrate all the love you got within you
and all the love you got for everyone around you."

Bereits vor Tagen hatte in meinem Emailpostfach die Hineinflatterei von Glückwünschen begonnen zu einem Tag, den - wie ich bisher dachte - außer den Medien sowieso niemand feiert -
Und so komme ich nicht umhin, mich in dieser rosaroten aufgepusteten Zuckergusslandschaft auf der Upper West Side doch slightly misplaced zu fühlen. Zudem verspüre ich auch irgendwie gar kein Bedürfnis danach, die Liebe in mir und oder etwa auch zu meinen Mitmenschen zu feiern.
Lieber will ich Kaffee - Deus ex machina tut sich der nächste Starbucks vor meinen winterunterkühlten Äuglein auf. Und ich weiß ja nicht, oppet Marktstrategie is, oder ob ses einfach vergessen haben, aber inside the cafe - nix mit rosa!

Monday, 11. February 2008

Prospect Park

Prosp










Das Tolle am Menschen ist ja, dass auch er dazulernt. Im Laufe der Zeit oder der Ereignisse, beides soll bereits vorgekommen sein.

So wusste also ich also so heute zum Beispiel - und ganz im Unterschied zu gestern - schon beim Hinausgehen zur Haustür, dass es draußen erbärmlich kalt sein wird und ich besser zuhause bleibe.

Der Prospect Park ist gewissermaßen der Central Park Brooklyns. Mit Botanischem Garten und Zoo, mit Quaker Cemetery, mit Public Library und Brooklyn Museum. Mit Prospect Lake, mit Long Meadow, mit Vale of Cashmere, mit Ravine.
Nun also.
Eigentlich freut man sich ja nur wieder über ein paar Streifen GRÜN, wo Vögel zwitschern und Squirrels hüpfen und man endlich mal SPAZIERENGEHEN kann.

Nicht viel mit Rumlaufen wars. Obwohl es perfekt gewesen wäre, ich hatte nämlich den Park wies aussah für mich allein - bis auf eine Joggerin, die aber schnell wieder weg war. Vögel gabs natürlich keine, aber Squirrels hab ich tatsächlich eins gesehen. Nur sah das gar nicht glücklich aus.

Und auch ich wollte mich irgendwie nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass mir während des Laufens das Gesicht einfriert. Auch auf den Teichen hatte sich bereits eine dünne Eisschicht gebildet, was immerhin wenigstens hübsch anzusehen war.

Innerhalb einer Dreiviertel Stunde war ich jedenfalls wieder unterwegs auf der Ocean Ave zurück in Richtung Shuttle.

Sunday, 10. February 2008

And the Staten Island Ferry also wailed

Sayin' No To Miss Liberty No No Miss Liberty - $18 zahl ich nicht für eine in Eisen und Kupfer auf eine Insel verschenkte Idee. So beschloss ich heute in steinernem Rundgebäude der Mitte des Battery Parks am Südsüdzipfel der Insel Manhattan, und machte auf dem Absatz kehrt.

Ursprünglich ein Abwehrgebäude, zwischenzeitlich ein Schauaquarium, dient das sog. Castle Clinton heute als Verkaufszentrale für Tickets nach Ellis und Liberty Island. Selbst heute, dem Sonntag der in die Geschichte des AMERICAN HAZARD Inselblogs eingehen wird als derjenige Tag an dem zuguterletzt doch noch die New Yorker Winterkälte definiert wurde, stehen hier Leute Schlange für Eintrittskarten und gute Plätze auf der entsprechenden Fähre.

Zurück im Park wechselt der Himmel innerhalb von zwei Minuten von Hell nach Dunkel. Silbermöwen fliegen funkelnd gegen dunkelgrauen Hochhäuserhimmel, kurz bevor der Schneewirbel einsetzt und mir fast die Mütze vom Kopf geweht wird.

Ich fotografiere: eine naturalistische Bronzestatue im Park in Gedenken an die Einwanderer, die auf diesem Wege ihren Weg nach Amerika fanden.
Ich fotografiere nicht: die weitaus imposanter aufgestellten Steintafeln in Gedenken an die US Navy mit dem im Abflug inbegriffenen Adler in ihrer Mitte.

Auch an solch eisigen Sonntagen müssen einige unter uns noch arbeiten. Sie nehmen die Plastikfackel in die linke Hand, schwingen sich mit der rechten Hand die grünspanfarbene Toga um die Schulter und begeben sich in Position. So verharren sie an zentralen Punkten des Battery Parks.
Leider würden mir inzwischen beim Fotografieren die Finger abfrieren, und so wird jetzt niemand außer den anwesend Gewesenen davon erfahren, dass diese lebendigen Statuen trotz Gefriertemperaturen noch ihren Job vorbildlich wie immer gemacht haben.

In einer neuen Laune entscheide ich mich gegen die übliche kostspielige Rast im Starbucks und begebe mich stattdessen vorbei am U.S. Department of Homeland Security direkt zur Staten Island Ferry, wo auch die Subway nach Uptown abfährt.
Links eine kleine Kirche, im Hintergrund die getönten verspiegelten Giganten des Financial District.
Ob der McDonald's-Tempel damals auch schon hier stand, als die Einwanderer kamen?
Der historisch anmutende Baustil legt dies jedenfalls nahe.
Das hätte eine Begrüßung gegeben. Runter vom Schiff und erstmal nen Whopper.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Als nächstes wollte ich zum Gebäude der United Nations in Midtown. Dazu musste ich am Times Square umsteigen, was ich auch gemacht habe. Dann allerdings bin ich zu früh ausgestiegen. Endlich an der Zielhaltestelle, war es so kalt, dass es mich zur Public Library zog, einem weiteren Antiqua-Gebäude an der East 42nd St, wo es eine Kerouac-Ausstellung gab.

Unglaublicherweise jedoch war die Bücherei kurz davor, zu schließen. Wieder auf der Straße, wehte schließlich ein solch starker Eiswind mit Schnee auch direkt mir ins Gesicht, dass ich beim nächsten Straßeüberqueren fast in ein Auto der NYPD gelaufen wäre.
Ich beschloss, dass es ein Fehler war, heute das Haus verlassen zu haben, und begab mich in den nächsten Subway-Schacht in Richtung Brooklyn.

Friday, 8. February 2008

Inside & Outside the Ivy League

Bronchitis, sagte der Arzt am Mittwoch. Bin jetzt wieder auf Antibiotika. Nutze das als meine Zeit, die City neu kennen zu lernen, als Residencee. Unternehme kamerabegleitete Touren. Gestern: Die Columbia University in den Morningside Heights, Nordmanhattan, neben Harlem. U.a. hier (dh., neben der NYU, sowie auch weiterhin der SBU) werde ich dieses Semester ein Seminar belegen.

Vielleicht kommt im Studium eines jeden Philosophen einmal der Moment.. halt nein,
kommt er nicht. Aber manche haben das und ich zähle mich dazu. Man läuft herum auf seinem neuen Campus und macht Fotos, macht man ja manchmal, so. Fotografiert die Unibibliothek, die aussieht wie die Sixtinische Kapelle,
akademisch imposant in die Mitte des Campus gerückt, auf dass jede Putzfrau in Ehrfurcht erschauere.
Davor eine Statue der Alma Mater - hier wohnt die gute Frau also.

Die Columbia sieht fast so aus wie die Uni Tübingen - große Bauten, Säulenreihen, Inschriften wohin man blickt.
Mit auch genau zwei so Springbrunnen vornedran.
Und da habe ich über die grecoromanische Leitkultur in Transatlantisch Akademien nachgedacht.

Wie auch schon in Tübingen gibt es auch hier keine regulären Sitzbänke. Sondern nur so bankähnliche Dwelling Places im Antiqua-Style.
Sixtinische Kapelle

statt Bank Ohne Lehne versteht sich, denn et soll ja gedwellt werden. Fehlte eigentlich nur noch, dass die Dinger aus Marmor hingestellt würden.

Und jedes dieser Banksubstitute ist natürlich auch irgendeiner honorablen Person geweiht, im Namen einer anderen honorablen Person. Dazwischen prangen mindestens zwei Ehrentitel.

Als hätts nicht ne normale Holzbank auch getan.. well,
vermutlich hätt sie das tatsächlich nicht. Es getan.

Mit vielen Fähnchen wird hier der 150. Geburtstag der Institute gefeiert, was ja zugegebenermaßen auch ein stolzes Alter in Amerikanisch Akademien darstellt. Was imposant wirken soll, braucht die Kultur der Antike auf sich.

Auf dem Gebäude, was vermutlich das Audimax darstellt, blinken in stolzen goldenen Lettern die großen Namen:
Homer - Herodotus - Sophocles -- Plato - Aristotle - Demosthenes - Cicero - Vergil.
Die Unis hier sehen es schon ganz richtig: Academia Produces Authorities. Authority is the whole impact of mastery.

Die Philosophy Hall steht den europäischen Philosophy Halls in Sachen Vasenkränzchen umme repräsentative Eingangstür herum in nichts nach.
- Naja, das Relief könnte etwas tiefer sein. Dennoch -


Engrave Deluxe Angesichts solch überdimensionierter Bauten fühlen sich Nichtstudierende ganz schnell ganz ganz klein. Denn der einzige Sinn & Zweck dieser monströsen Architektur ist ja, repräsentativ zu wirken - für das Wissen, das man verkörpern will. Wissen ist eine ganz konkurrenzlose Währung. Sie sieht aber immer gleich aus - nämlich antik.

Meine Mutter - die vermutlich keinen blassen Dunst davon hat, dass ihre Tochter sich gerade auf Ivy League-Gelände herumtreibt - würde als Nichtstudierte davor stehen und denken: Ui, so große Gebäude. Da muss große Wissenschaft drin betrieben werden.
"Wissen ist Macht" - nach Wissen aussehen reicht auch schon.

Die Law School immer verglast (bis auf in Tübingen), ähnlich zukunftsstriving wie auch die Business School, mit einem Denkmal ausgestattet aus verworrenen Pferden, deren Extremitäten, Mähnen und Schweife ornamental geschwungen in alle Himmelsrichtungen weisen,
um die globale Dynamik und die interdisziplinäre Verflechtung der hier anwesenden Disziplin visuell zu verdeutlichen.

Ich habe bis heute nicht rausgefunden, warum dagegen die Philosophie als einzige Disziplin sich immer wieder Rodins Höllentor-Melancholiker als Maskottchen aussucht.

Europäische Schwermut impliziert nicht Gedankentiefe, Amerikaner; Leute.

Alma Photobucket

Tuesday, 5. February 2008

lost in Chinatown

Und dann war da noch dies..
In einem akuten Anfall von Heimatweh, Freundevermissen und Einsamkeit beschloss ich heute (ich bin ja immer noch eigenverantwortlich krankgeschrieben), mal wieder einen Spaziergang durch Manhattan zu machen. Von Bed-Stuy aus braucht man 15-20Min mit der Subway, also los.
Zuallererst würde ich gerne meine Haltestelle als T-Shirt haben. Das würde dann sagen: KINGSTON-THROOP. Wobei NOSTRAND auch nicht schlecht wäre und sich auch gleich nebendran befindet. Brooklyn, Lower Manhattan, West Village, Washington Square Park, East Village, NoHo. Laufen.

Beim Kaffee in SoHo (wo ich schon lange nicht mehr war) fiel mir auf, dass man gar nicht die Jahreszeit ablesen kann. Es ist einfach regnerisch. Keine Spur von Winter. In Deutschland würde ich zu dieser Zeit die Tage zählen, bis es wieder wärmer wird und mir einreden, dass es ja immerhin schon heller geworden ist. Ich kann es ja vielleicht nicht beurteilen, weil ich nicht die ganze Zeit hier war, aber irgendwie war das gar nicht so kalt für Winter in New York bis hierhin. Und ich hab mir doch solche Furcht einreden lassen von Leonard Cohen.

Nach der Entdeckung eines tibetanischen Designerladens stolperte ich in einen Independent Book Store, kaufte ein Thoth Tarot (weil ich meines ja in Germany gelassen habe) und ein Buch, was ja eine Seltenheit in meinen Ausgaben so darstellt. Das Buch - von John Berger - ist entitled "Hold everything dear" und jetzt will ich doch mal sehen, wie amerikanische NonFiction Bestseller so geschrieben sind. Schade, dass der deutsche Büchermarkt vermutlich zu konservativ für solche Mixturen wäre.
Der nächste Buchladen befand sich dann auch sofort in einer Esobegegnungsstätte. Die Leute waren sehr freundlich. Ich war nun auf der Suche nach Crowleys Book Thoth. Hatten sie nicht, hatten mir aber zwei Adressen von Buchläden für Ceremonial Magick. Wunderbar!
Ich also raus und die Subway Station für den R train gesucht. Und da irgendwann musste es dann passiert sein - ich vertauschte die Himmelsrichtungen und lief geradewegs gen Lower East Side.

Chinatown

Und nein, ich habe das noch nicht gecheckt, als ich durch Little Italy und dann durch Chinatown lief, wo doch eigentlich der Washington Square Park so langsam wieder auftauchen sollte. Und es kam mir nicht komisch vor, als jemand im ersten, zweiten Stock auf seiner Flöte den Gitarrenpart von "Sweet Child O'Mine" trillerte. Und dass es auf den Straßen mitunter bestialisch nach Fisch und Blumen stank, teilweise die Fische noch am Leben, überließ ich den Chinesen als Problem. Ich kann nur sagen, alle Probleme fangen erst an, wenn man das Empire State Building auf die falsche Seite der Erwartung setzt. Kann man ewig laufen durch die leerer und dunkler werdende City, bis man merkt, dass man hier vermutlich nicht ganz richtig ist.

Aufgefallen ist mir das schließlich auf der Clinton Street. Da hat ja der Leonard von gesungen. In einem meiner vergangenen Langeweileanfälle hatte ich mal bei Google Maps nachgeguckt gehabt, wo die sich denn befindet. Und so wusste ich jetzt, dass ich ziemlich weit östlich am Laufen war.
Schnell also huschhusch wieder zurück.
Interessant auch beim jedesmal Verirren in New York City: Mit einem Mal (und zwar immer dann, wenn man sich gerade besonders sicher in seinem Weg fühlte) ist man wie komplett verloren, aus der Welt geschleudert.. Man läuft und läuft, obwohl längst schon keine Lichter mehr an sind und die Leute dicke Jacken im Hauseingang tragen.
Wenn man es dann checkt, dass man sich verlaufen hat, und es schließlich auch zur nächsten Subway Station geschafft hat, sind es dann aber doch nie mehr als drei, vier Haltestellen, bis man wieder in bekannten Gefilden ist. Dem Washington Square Park. Dem Union Square. Man fällt dann half asleep im C train und verpasst beinah die t-shirt-reife Subway Home Station. Auf auf! Und raus wieder. Zuhause wartet schon, aber das weiß man ja jetzt noch nicht, das erste Päckchen am neuen Ort.

Umzug nach Brooklyn (4)

Heute bin ich mal mit der neuen Kamera rausgegangen und habe meine Straße fotografiert:

Bed-Stuy Home

(1) Gegenüber von unserm Haus: Die Bethany Church.
(2) Unsere Straße, in der Mitte unserer Stadt.
(3) Unser Haus! Echt brown.
(4) Sophie.
(5) Häuserreihen gegenüber.
(6) Weitere Brownstone-Impressionen.
(7) Habe mir jetzt auch für mein Zimmer Magnetic Poetry gekauft. Die "Bird Lovers" Edition - für besonders geflügelte Worte, hahaha.
(8) Nochmal Straße.
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